„Der Gast“ – Studierende produzieren Film gegen Antisemitismus

Ein Café in der Stadt. Ein Mann beschimpft einen Gast antisemitisch. Andere Gäste blicken weg und greifen nicht ein. Das ist die Kurzfassung eines Drehbuchs, das Studierende des Studiengangs Digitale Medienproduktion an der Hochschule Bremerhaven nun umgesetzt haben. Über ein Jahr lang haben die Studierenden unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Rada an dem Projekt gearbeitet – zunächst in einem Drehbuchseminar im Sommer 2018, dann in einer Praxisveranstaltung im Sommersemester 2019.

„Ich finde es so unglaublich wie inakzeptabel, dass das Wort ‚Jude‘ auf Schulhöfen und im öffentlichen Raum wieder zu einem Schimpfwort geworden ist. Der zu­nehmende alltägliche Antisemitismus wird von vielen Menschen immer noch kaum wahr­ge­nommen oder aber geduldet“, erklärt Holger Rada die Beweggründe für das Filmprojekt. Einige Studierende hätten zunächst Bedenken gehabt, ein in ihren Augen sehr sensibles Thema filmisch zu realisieren. Umso größer war der Einsatz des Teams dann bei der Entwicklung der Geschichte, der Drehvorbereitung und der Umsetzung. Mittlerweile ist ‚Der Gast‘, so der Arbeitstitel der Produktion, mehr als nur ein Hochschulprojekt. Für Regisseur Sebastian Mannchen ist der Film ein Bekenntnis für Zivilcourage und gegen Intoleranz: „Wir stehen voll hinter dem Projekt und wollen damit ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus, Wegsehen und Schweigen.“

Drehtag ''Der Gast'' (c) Felix Schulke
Drehtag “Der Gast“ (c) Felix Schulke

Der Dreh fand in der ‚Bürger‘ mitten in Bremerhaven statt – an einem einzigen Tag. „Der logistische Aufwand im Vorfeld war riesig“, erklärt Franziska Gröne, Aufnahmeleiterin und zuständig für das Casting: „Wir hatten insgesamt acht Rollen zu besetzen und haben das Casting deutschlandweit ausgeschrieben. Wir haben viel positives Feedback von den Schauspielern und Schauspielerinnen bekommen. Sie haben ohne Gage am Dreh mitgewirkt.“ Dennoch ist ‚Der Gast‘ keine No-Budget-Produktion: Neben den Kosten für das Equipment mussten Räumlichkeiten für das Catering angemietet werden und Fahrtkosten bzw. Übernachtungskosten für die Darsteller bezahlt werden. Ein Teil der Finanzierung erfolgte dabei aus Mitteln der Kulturstiftung der Weser-Elbe Sparkasse. Dazu Peter Klett vom Stiftungsvorstand: „Sowohl das Thema als auch die Fachkompetenz der Hochschule haben uns von Beginn an überzeugt. Wir freuen uns, dass mit unserem Beitrag dieses Projekt realisiert wird.“  Unterstützung gab es auch vom Inhaber des Cafés „Quartier 159“, Mike Heilmann, und vom Quartiersmeister der Alten Bürger, Jens Rillke, die dem Hochschulteam Räumlichkeiten für Vorbereitung und Dreh zur Verfügung gestellt hatten.

„Der Rohschnitt soll bis Mitte Juli fertig sein“, meint Cutter Felix Schulke, „danach folgen Farbkorrektur und Tonmischung“. Mit dem fertigen Film ist Ende August zu rechnen. „Anschließend werden wir den Film bei Festivals einreichen“, ergänzt Holger Rada. „Mittelfristig können wir uns gut vorstellen, den Film auch im Rahmen schulischer Veranstaltungen im Land Bremen zu zeigen und mit den Schülern und Schülerinnen ins Gespräch zu kommen.“

Studentisches Team: Sebastian Mannchen, Darlien Schürmann, Franziska Gröne, Kristiane Pfeiffer, Conrad Schön, Jendrik Hauschildt, Dominic Dey-Marckmann, Ksenia Smolova, Felix Schulke, Leroy Bentley, Philipp Sander

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