Grundsteinlegung für das AWI-Technikum

Vertreter aus Politik und Wissenschaft bringen zukünftiges Rasmus-Willumsen-Haus auf den Weg

Am Donnerstag, den 18. April 2019 fand die Grundsteinlegung für den Neubau eines Technikums als Ort der Entwicklung innovativer maritimer Technologien in der Bremerhavener Klußmannstraße statt. Vertreter aus dem Bundesforschungsministerium, dem Land Bremen und der Stadt Bremerhaven feiern diesen Meilenstein gemeinsam mit Direktorium und Kollegium des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung.

Erster Entwurf AWI-Technikum
Erster Entwurf des AWI-Technikums: Anmutung von der Drehbrücke zum Weser Yacht Club aus gesehen. (c)ksg architekten

 

Anlässlich der Grundsteinlegung sagt Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF):

„Meere, Ozeane und die Polargebiete spielen eine Schlüsselrolle im globalen Klimasystem. Wir brauchen Forschung in diesen Bereichen, um den Klimawandel besser zu verstehen und ihm entgegenzuwirken. Das AWI leistet hier Spitzenforschung. Es muss dafür große Instrumente und seegehende Infrastruktur entwickeln, betreiben und instand halten. Um Expeditionsvorbereitungen und -logistik zukünftig zentral durchführen zu können, erhält das AWI ein neues hochfunktionales Gebäude – das Technikum. Durch die gemeinsame Finanzierung verbessern das BMBF und das Land Bremen die Rahmenbedingungen für die exzellente deutsche Polarforschung.“

 

Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen:

„Mit der heutigen Grundsteinlegung wird die eindrucksvolle Erfolgsgeschichte des AWI in Bremerhaven fortgeschrieben. Im Wissenschaftssystem des Landes Bremen ist das AWI ein in die Welt strahlender Leuchtturm. Das Land Bremen hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem Land der Wissenschaft und der technologischen Innovation entwickelt: Das Alfred-Wegener-Institut nimmt in dieser Wissenschaftslandschaft eine herausragende Rolle ein. Hier wird exzellente Polar- und Meeresforschung betrieben: In modernen Laborkomplexen, an Nord- und Südpol oder auf hoher See arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen zusammen. Das AWI-Technikum bringt diese Forschung weiter voran. Das AWI ist und bleibt auf Welt-Niveau.“

 

Eva Quante-Brandt, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz Bremen:

„Das Alfred-Wegener-Institut genießt national und international höchste Anerkennung. In der Wissenschaftslandschaft im Land Bremen nimmt es eine herausragende Rolle ein. Mit seinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der hervorragenden Infrastruktur sowie seiner ambitionierten Strategie nimmt es eine erstklassige Stellung ein, um die drängenden ökologischen Fragestellungen der Zukunft zu bewältigen. Einen entscheidenden Anteil an der AWI-Mission bilden die Expeditionen. Mit diesem Neubau erhält das AWI die Möglichkeit, Expeditionen noch effektiver vorzubereiten.“

 

Melf Grantz, Oberbürgermeister Bremerhaven:

„Das AWI als Meeresforschungsinstitut profitiert vom Standort Bremerhaven mit seiner direkten Anbindung an das Meer. Die Erweiterung des AWI-Campus Am Handelshafen um das Gelände in der Klußmannstraße schreitet mit der heutigen Grundsteinlegung weiter voran. Die ersten Forschenden sind ja bereits im Jahr 2017 in das Gebäude der Deutschen See eingezogen, und auch das ehemalige Verwaltungsgebäude der Nordsee wird dem Institut zukünftig zur Verfügung stehen. Mit dem Neubau des Technikums ist das AWI bestens gerüstet, um die aktuellen und zukünftigen Forschungsthemen zu bearbeiten. Insgesamt wird der Hafenbereich durch die Aktivitäten des AWI aufgewertet und es entsteht eine maritime Forschungsmeile.“

 

Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung:

„Für die Erforschung und Beobachtung extremer Lebensräume in Polarregionen, Ozeanen und Küsten müssen wir Technologien nutzen, die unter tiefem Frost, hohem Druck, permanenter Dunkelheit, hochreaktiven Gasen und Flüssigkeiten sowie enormer Wellenkraft funktionieren, die in und unter Eis und Wasser mobil messen und Daten senden, wo Menschen nicht sein können. Solche Instrumente kann man nicht von der Stange kaufen, wir müssen sie selbst entwickeln. Dafür bauen wir das Technikum: Es soll Erfindern, Entwicklern, Tüftlern und Schraubern ein Zentrum von Werkstätten, Testbecken und Laboren geben, in denen sie neue Methoden wie 3D Drucken, Robotik, autonome Beprobung und vieles mehr nutzen können.“

 

Dr. Karsten Wurr, Verwaltungsdirektor Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung:

„Das Technikum wird wesentlich zur Verbesserung der technischen Innovationsfähigkeit von Ozean- und Eisbeobachtung beitragen. Es ist Ziel des AWI, die bestehende, über das Stadtgebiet verteilte, wissenschaftlich-technische Expertise zusammenzuführen und Arbeitsprozesse durch die gemeinsame Nutzung von Laboren und Workshops zu verbessern. Das Arbeiten unter einem Dach ermöglicht die enge wissenschaftliche Kooperation zwischen Ingenieuren und Erdsystemforschern, Lernenden und Lehrenden und stärkt die Innovationskraft des AWI im Bereich Forschung und Entwicklung der Ozeanbeobachtung.“

Städtebauliches Konzept für die Nutzung des Geländes an der Klußmannstraße inklusive AWI-Technikum (oben rechts, dunkles Braun)_Foto_ksg
Städtebauliches Konzept für die Nutzung des Geländes an der Klußmannstraße inklusive AWI-Technikum (oben rechts, dunkles Braun). (c) ksg architekten

 

Hintergrund zum AWI-Technikum:

Das Rasmus-Willumsen-Haus und die Geschichte des Namensgebers

Das AWI hat sich entschlossen, das Technikum nach Rasmus Willumsen zu benennen – einem Begleiter Alfred Wegeners, dem auf der letzten Expedition von Wegener das gleiche tragische Schicksal wie Wegener selbst ereilt hat: Beide sind dabei ums Leben gekommen. Rasmus Willumsen steht beispielhaft für alle unterstützenden Kräfte, die zum Erfolg von vergangenen und zukünftigen Expeditionen beitragen. Wegener sah in Willumsen einen sehr fähigen Begleiter, dem er eine hohe Achtung entgegenbrachte. Dies äußerte er in einem Brief vom 6. Oktober 1930 mit dem Hinweis: „[…] bitte ich Sie, […] Sorge zu tragen, dass auch für Rasmus, der uns weiterbegleitet, eine Uhr bereitliegt.“ Expeditionsuhren waren damals nur den Wissenschaftlern und Offizieren vorbehalten. Rasmus Willumsen (1907-1930) aus Ukkusissat gehörte zu den Grönländern, welche die große Expedition Wegeners auf das grönländische Inlandeis im Jahr 1930 unterstützten. Ein Ziel dieser Unternehmung bestand darin, die Dicke des Inlandeises mit neuen seismischen Methoden zu messen und an den Küsten und in Zentralgrönland („Eismitte“) ganzjährig meteorologische Daten zu erheben. Ungünstige Umstände führten dazu, dass Wegener und Willumsen den Rückweg zur Weststation allein antraten. Beide kehrten von dieser Reise nicht zurück. Wegener erlitt vermutlich einen Herzinfarkt, Willumsen selbst blieb verschollen; seine Leiche wurde nie gefunden.

Für die Grundsteinlegung sind Rasmus Willumsens Verwandte aus Grönland angereist, um das AWI-Technikum nach ihm zu benennen und die Erinnerung an ihn mit einer Zeitkapsel der Grundsteinlegung in dem Gebäude zu verewigen. Symbolisch wird der Familie Willumsen – Hans Peter Willumsen (Neffe) und Johan Willumsen (Großneffe) – eine Uhr (Replikation) wie sie Rasmus bekommen sollte überreicht.

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