Eine Handbreit Wasser unterm Kiel

Marleen von Bargen ist Wissenschaftliche Kuratorin am Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven

Als sich Marleen von Bargen vor gut drei Jahren um ein Wissenschaftliches Volontariat beim Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) bewarb, lagen eine Ausbildung zur Buchhändlerin sowie eine klassische wissenschaftliche Laufbahn als Historikerin an der Uni Hamburg hinter ihr. Nach ihrem geschichtsspezifischen Studium mit einem Magister-Abschluss in der „Neueren Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität tätig. In ihrer Dissertation beschäftigte sich die junge Historikerin mit Europa-Konzepten. Dieser Weg lässt zunächst nicht unmittelbar das Interesse an ihrem aktuellen Tätigkeitsfeld als Wissenschaftliche Kuratorin in einem Museum – das sich der Erforschung der deutschen Schifffahrt in ihren globalen Zusammenhängen widmet – vermuten.

Seefahrt im Blut
Fragt man Marleen von Bargen nach Ihren Wurzeln, wird schnell klar, dass die junge Frau sehr gut zwischen Back- und Steuerbord unterscheiden kann und dass ihr der schifffahrtsgeschichtliche Hintergrund in die Wiege gelegt wurde. Ihr Vater fuhr zur See. Auf dem familieneigenen Schiff hat Marleen von Bargen ihre Kindheit verbracht.

Auf neuem Kurs
Rückblickend war es für die promovierte Historikerin eine glückliche Fügung, dass sich das Deutsche Schiffahrtsmuseum mit einem neuen Forschungs- und Ausstellungsprogramm zum Thema „Mensch & Meer“ neu erfindet. Bereits während der ersten zwei Jahre ihres Volontariats war Marleen von Bargen mit einem wichtigen Abschnitt der Neuausrichtung des Hauses befasst: Sie war maßgeblich in die neue DSM-Ausstellung „Kogge, Mensch & Meer“ involviert. So konnte sie die Sanierung des Gebäudeteils, der die historische Kogge beheimatet, sowie die inhaltliche Erarbeitung und Einrichtung der Ausstellung insgesamt begleiten. – Ein unglaublich spannender Prozess und eine großartige Chance, bei der ihre akademische Ausbildung Voraussetzung war.

Die Kogge im Deutschen Schiffahrtsmuseum Foto: Marleen von Bargen © DSM“

Kein Tag wie der andere
Nach den Besonderheiten ihrer Arbeit gefragt, macht die Wissenschaftliche Kuratorin deutlich, dass „Schifffahrtsgeschichte“ nicht nur die Betrachtung der technischen Entwicklung beinhaltet. Vielmehr geht es um grundlegende Fragen nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Meer und daher auch um größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Dazu gehören z.B. die Bedeutung der Schifffahrt für unseren Alltag, die Ressourcengewinnung aus dem Meer und ausdrücklich auch der Schutz der Meere an sich. Insgesamt handelt es sich also um ein vielseitiges Arbeitsgebiet. Aufgrund ihrer „Schnittstellenfunktion“ arbeitet Marleen von Bargen regelmäßig mit einem Team von Mitarbeiter*innen aus den Bereichen Wissenschaft, Sammlung, Vermittlung und Werkstatt sowie externen Beratern zusammen. Das funktioniert, laut der Historikerin, im DSM besonders gut. Sie betont: „Der Umgang untereinander ist ausgesprochen familiär. Infolge der unterschiedlichen Kompetenzen, beschäftigt uns regelmäßig ein breites Feld an Themen. Ich habe daher immer auch einen guten Blick auf die gesamten Themenfelder des Hauses“.

Die Perspektive wechseln
Einen guten Blick hat die engagierte Kuratorin auch auf Bremerhaven. Das Ankommen ist ihr nicht schwergefallen. „Die Seestadt hat mich gut aufgenommen“, sagt sie. „Ich habe eine sehr schöne Wohnung gefunden. Und es ist unvergleichlich, dass die Wasserkante an nahezu jeder Stelle in Bremerhaven in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist.“  Spaziergänge am Deich helfen Marleen von Bargen, den Kopf frei zu bekommen und den für ihre Arbeit so wichtigen Perspektivwechsel zu vollziehen. Denn schlussendlich geht es bei der Konzeption einer Ausstellung auch darum, die Ausstellungsstücke und die dazu gehörenden Informationen für die Museumsbesucher*innen so interessant wie möglich zu gestalten. Wie gut ihr das gelingt, kann man sehr schön in der „Kogge-Halle“ bewundern. Die aufbereiteten Informationen lassen ganz unwillkürlich Bilder vor dem inneren Auge entstehen. – Man kann sich dort lebhaft vorstellen, wie es den seefahrenden Händlern zur Zeit der Hanse erging.

Text: Michael Arzenheimer

 

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