Hohe Auszeichnung für Forscherin am Deutschen Schiffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für dt. Schiffahrtsgeschichte

Natascha Mehler erhält Caroline von Humboldt-Preis

Er ist einer der höchst dotierten Preise seiner Art in Deutschland und wird erst zum achten Mal vergeben: der Caroline von Humboldt-Preis der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Preisträgerin des Jahres 2017 ist die historische Archäologin PD Dr. Natascha Mehler. Sie erhält den Preis für ihre kreative und interdisziplinäre Forschung. Natascha Mehler leitet das Projekt „Zwischen Nordsee und Nordmeer – Interdisziplinäre Studien zur Hanse“ am Leibniz-Forschungsmuseum Deutsches Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven. Der mit 15.000 Euro dotierte wissenschaftliche Förderpreis wird am Freitag, 23. Februar, im Rahmen einer Festveranstaltung im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin verliehen. Der Caroline von Humboldt-Preis ist für alle Disziplinen offen und wird jährlich an eine herausragende Wissenschaftlerin aus dem In- oder Ausland vergeben.

Mit ihrer exzellenten wissenschaftlichen Arbeit verknüpfe die Preisträgerin die Ansätze und Methoden der Archäologie, Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte sowie Sozial- und Kulturanthropologie miteinander, so die Begründung der Jury. Als historische Archäologin erforscht Natascha Mehler die geschichtlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge im Mittelalter und in der Neuzeit. Im Rahmen ihres aktuellen Forschungsprojektes am Deutschen Schiffahrtsmuseum untersucht die 47-Jährige die ökonomischen und kulturellen Beziehungen zwischen Hamburg und Bremen mit den nordatlantischen Inseln Island, Faröer und Shetland. Der Forschungszeitraum reicht vom 15. Jahrhundert bis zum späten 17. Jahrhundert. Sie ist die Nachwuchsgruppenleiterin eines Projektes am DSM, das in einem Wettbewerbsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft eingeworben wurde.

Die Preisträgerin selbst ist von der Auszeichnung überrascht und empfindet sie als große Ehre. „Ich freue mich wirklich sehr über diesen Preis und habe nicht damit gerechnet. Die historische Archäologie ist in Deutschland noch nicht richtig angekommen und muss noch viele Hürden überwinden. Die Arbeitsweise ist in diesem Fach prinzipiell sehr interdisziplinär ausgerichtet“, sagt Dr. Natascha Mehler. Diese Arbeitsweise sei aber bei der Einwerbung von Fördermitteln oder auch Auszeichnungen oft eher ein Nachteil, wenn Preise oder Mittel an ein bestimmtes Fach gebunden sind. Dass sie als Wissenschaftlerin nun besonders für das fachübergreifende Arbeiten ausgezeichnet werde, sei umso erfreulicher.

Professor Dr. Sunhild Kleingärtner, Geschäftsführende Direktorin des Deutschen Schiffahrtsmuseums, würdigt die Verleihung des Caroline von Humboldt-Preises an Natascha Mehler als wichtiges Signal für das Forschungsfeld der Preisträgerin. „Der Caroline von Humboldt-Preis ehrt Frauen für ihre herausragende Forschung. Es ist das erste Mal, dass eine Archäologin diesen Preis erhält und noch dazu eine Mittelalter- und Neuzeitarchäologin.“ Natascha Mehler zeichne sich durch ihre exzellente wissenschaftliche Arbeitsweise aus. Ihr fachübergreifendes und internationales Profil sei für Deutschland einzigartig und sie verfüge über eine ausgezeichnete Reputation.

Im Deutschen Schiffahrtsmuseum leitet Natascha Mehler eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern. Das Forschungsprojekt zum Handel im Mittelalter und in der frühen Neuzeit basiert auf einem Schiffswrack aus dem 14. Jahrhundert. Sunhild Kleingärtner: „Dieses Wrack und die Forschungen des Teams um Frau Dr. Mehler sind Teil unserer Ausstellung. Dieses Konzept steht für die Neuausrichtung des Deutschen Schiffahrtsmuseums als Leibniz-Forschungsmuseum, das die Wechselwirkungen von Mensch und Meer am Beispiel maritimer Technologien und insbesondere von Schiffen darstellt.“

Als Forscherin habe Natascha Mehler das Fach “Historische Archäologie“ inhaltlich entscheidend und richtungsweisend mitentwickelt. Sie hat über viele Jahre in Norwegen, auf Island, Shetland oder Grönland wissenschaftlich gearbeitet sowie an der Universität von Wien als Gastprofessorin gelehrt und habilitiert. Durch ihr Engagement und ihren Einsatz habe sie ein Netz aus internationalen Kontakten aufgebaut und sei eine tragende Säule der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Dazu zählten ihre Arbeit in den Gremien der amerikanischen „Society of Historical Archaeology“ als der weltgrößten Vereinigung dieser Art und der britischen „Society of Post-Medieval Archaeology“. In Deutschland ist Natascha Mehler die Mitbegründerin und Mitherausgeberin der Zeitschrift „Historische Archäologie“. Darüber hinaus ist sie Gutachterin bei der European Science Foundation für den Bereich Historical Archaeology.

„Dr. Natascha Mehler ist eine Ausnahmeerscheinung mit Vorbildcharakter“, betont DSM-Direktorin Sunhild Kleingärtner. „Sie leistet mit ihrer Forschung einen maßgeblichen Beitrag dazu, die materielle Kultur zu verstehen und wie diese ganze Gesellschaften verändert.“ Zur wissenschaftlichen Kompetenz komme das nachweisliche Geschick, für Forschungsprojekte notwendige Fördermittel einzuwerben. Sunhild Kleingärtner: „Die Höhe der bisher insgesamt eingeworbenen Drittmittel für ihre Projekte liegt bei rund 3,2 Millionen Euro von unterschiedlichen Zuwendungsgebern. Dieses Engagement ist außerordentlich beeindruckend.“

Dr. Natascha Mehler sieht sich in ihrer Arbeit vor allem von der Vielfalt angetrieben. „Bestimmt ist nicht jeder von einer Abfallgrube oder einem Gebäuderest aus dem 18. oder 19. Jahrhundert angetan. Aber mich persönlich begeistert einfach die Menge der Quellen, auf die ich für die Auswertung der Funde zurückgreifen kann: Schriften, Bilder, mündliche Überlieferungen“, sagt sie. „Die daraus gewonnenen Erkenntnisse miteinander zu verbinden, gegenüber zu stellen und in einen Kontext zu bringen – das ist für mich der Reiz an der historischen Archäologie.“ Bereits im Jahr 2016 wurde sie von der Leibniz-Gemeinschaft für den renommierten Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nominiert.

Ihre nächsten Erkenntnisse wird die Preisträgerin in Verbindung mit der Humboldt-Universität zu Berlin sammeln. Das Geld des Caroline von Humboldt-Preises soll einen Forschungsaufenthalt an der Humboldt-Universität ermöglichen. DSM-Direktorin Sunhild Kleingärtner: „Wir dürfen gespannt sein, mit welchem Thema Natascha Mehler neue Forschungsakzente setzen wird – aber eines steht fest: Schon jetzt können wir uns auf die zu gewinnenden Erkenntnisse und das Ergebnis freuen.“

Preisträgerin des Caroline von Humboldt-Preises: Natascha Mehler (c) privat

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