Die seltenen leuchtenden Nachtwolken strahlen wieder

Diplom-Meteorologe Dr. Michael Theusner erklärt, warum das Himmelsphänomen im Sommer besonders gut zu sehen ist

In den kommenden Julinächten bestehen wieder gute Aussichten für ein seltenes Naturschauspiel am Himmel über Norddeutschland. In den späten Abend- und frühen Morgenstunden können die so genannten leuchtenden Nachtwolken auftauchen, die nur im Sommer etwa zwischen dem 45. und 65. Breitengrad zu sehen sind. „Dieses Phänomen steht möglicherweise in einem Zusammenhang mit dem Klimawandel“, sagt der Meteorologe des Klimahaus Bremerhaven 8° Ost, Dr. Michael Theusner. Bei den „noctilucent clouds“ (NLC) handelt es sich um eine seltene Wolkenart, die sich in einer Höhe von etwa 85 Kilometern und damit weit über der normalen Wolkendecke bilden.
Das Phänomen der leuchtenden Nachtwolken ist prinzipiell ganz einfach: „Sie befinden sich so weit oben in der Atmosphäre, dass sie praktisch die ganze Nacht von der Sonne angeleuchtet werden, während bei uns am Boden Dunkelheit herrscht“, erklärt Theusner. „Sie bilden sich in der extrem dünnen Luft bei Temperaturen, die unter -120 °C liegen müssen, damit der wenige Wasserdampf zu Eiskristallen gefriert.“ Üblicherweise ist es zwischen Ende Mai und Anfang August kalt genug in der Mesosphäre, damit sich NLC bilden können. Entsprechend wurden die ersten NLC in Norddeutschland am Abend des 25. Mai beobachtet. Doch danach blieben die Sichtungen weltweit für etwa zehn Tage aus – zur Überraschung aller Beobachter. „Wie man nun weiß, lag das daran, dass die Temperatur der polaren Mesosphäre nach Ende Mai nicht weiter fiel, sondern sogar leicht anstieg. So wurde es zu „warm“ für die NLC“, erklärt Theusner.
Seit Mitte Juni ist das Himmelsphänomen aber wieder regelmäßig sichtbar – und besonders helle NLC sogar am vergangenen Wochenende. „Die besten Chancen die seltenen NLC zu erspähen, gibt es in sternenklaren Nächten, also wenn keine normalen Wolken die Sicht versperren, ab etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang“, rät der Diplom-Meteorologe.
Die leuchtenden Nachtwolken sind in den hohen nördlichen Breiten mittlerweile ein verbreitetes Phänomen. „Sie treten inzwischen häufiger auf als vor 10 bis 20 Jahren und sind in ‚südlicheren Gebieten‘, also auch bei uns, öfter als früher zu sehen“, erläutert Theusner. 1885 wurden leuchtende Nachtwolken zum ersten Mal dokumentiert. Der gestiegene Methangehalt in der Atmosphäre könnte ein Grund für ihr vermehrtes Aufkommen in den letzten Jahren sein. Auch eine vom Klimawandel verursachte Abkühlung der so genannten Mesosphäre in 85 Kilometern Höhe könnte die Entstehung der NLC begünstigen, da die nötigen tiefen Temperaturen so häufiger auftreten. Die Abgase von Raketenstarts sind ein weiterer Faktor, der vor allem im letzten Jahrzehnt eine Rolle gespielt haben könnte. Während normale Wolken bei uns auf einer Höhe von bis zu 12 Kilometern zu finden sind, treten die NLC dagegen fast an der Grenze zum Weltraum auf. In den leuchtenden Nachtwolken bilden sich oft Wellenstrukturen, die dem Nachthimmel einen malerischen Anstrich verleihen. Daran sind die NLC auch besonders leicht zu erkennen.

Leuchtende Nachtwolken kann man auch in Bremerhaven und Umgebung beobachten.  (c)Theusner/Klimahaus
Leuchtende Nachtwolken kann man auch in Bremerhaven und Umgebung beobachten. (c)Theusner/Klimahaus

 

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