400. Fahrt der Walther Herwig III – Teil 4

Klima wandelt sich, Sturm bleibt

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Montag, 07.11.2016:

Stürmisches Wetter behindert weiterhin die Forschungsfahrt der Walther Herwig III. Vor Südost-Grönland kommen noch Eisberge hinzu – schwere Arbeit für die Wachgänger! Sie müssen bei eingeschränkter Sicht nach Eisschollen und abgeplatzten Eisbergstücken, sog. Grawlern, Ausschau zu halten, die die Sicherheit des Schiffes gefährden könnten. Dennoch konnten wir vor Ostgrönland zahlreiche Proben nehmen, so auch für die Doktorarbeit von Karl-Michael Werner vom Thünen-Institut für Seefischerei. Er schreibt:

„Wie verändert die Klimaerwärmung das Beutespektrum des Grönland-Kabeljaus? Mit Probefängen und kommerziellen Fangdaten ist es die Aufgabe von uns Fischereibiologen, Bestandsgrößen von ökonomisch relevanten Fischarten abzuschätzen. Von der Fischbiomasse einer Art in einer uns bekannten Fläche leiten wir die gesamte Biomasse dieser Art in einem weitaus größeren Gebiet ab. Fischbestände unterliegen starken Schwankungen, die sowohl von uns Menschen als auch von der Natur verursacht werden.

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Doktorand Karl-Michael Werner vom Thünen Institut für Seefischerei untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Bestandsentwicklung des Grönland-Kabeljaus auswirkt.

Rund um Grönland lebt der Kabeljau in einem seiner nördlichsten Verbreitungsgebiete. Dort werden durch die Klimaerwärmung besonders drastische Veränderungen erwartet. Ein leichter Anstieg der Temperatur verändert das Vorkommen von Plankton, das die Grundlage des Nahrungsnetzes bildet. In diesem Nahrungsnetz greifen die einzelnen Komponenten wie Zahnräder ineinander; Änderungen am Fuß der Nahrungspyramide werden weitergetragen bis an die Spitze, wo der Kabeljau als großer Raubfisch steht. Diese Änderungen innerhalb des Nahrungsnetzes beeinflussen das Nahrungsangebot vom Kabeljau. Die Nahrungsaufnahme wiederum hat großen Einfluss auf den Zustand und die Fitness des Individuums. Und ob ein Fisch gut oder schlecht genährt ist, kann maßgeblich sein Verhalten und Reproduktionspotential beeinflussen. Es scheint plausibel, dass in den Eierstöcken eines unterernährten Weibchens weniger und kleinere Eier als in einem vergleichbar langen und wohl genährten Fisch reifen. Ich gehe daher davon aus, dass Klimwandel, Nahrungsangebot, Fischkondition und die gesamte Größe eines Bestandes ineinandergreifen.

Für meine Arbeiten sind Magenuntersuchungen und die Auswertung verschiedener biologischer Parameter wie Länge und Gewicht einzelner Fische die wichtigsten Werkzeuge. Sie sind zugleich ökologische Knotenpunkte um zu entschlüsseln, wie subarktische Kabeljaubestände auf klimabedingte Änderungen des Nahrungsnetzes reagieren.“

Viele Grüße – und bis zum nächsten Blog-Beitrag!

Bilder: Thünen Institut

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