Jana Geuer: Bericht von einem Forschungsschiff – Teil 3

Nordarm des Scoresbysund
Nordarm des Scoresbysund  (Quelle: Urban Wünsch)

Wir sind nun endlich angekommen: Der Scoresby Sund (grönländisch: Kangertittivaq) an der Ostküste Grönlands. Für die 350 km vom Eingang des Fjords bis zum Gletscher im Nordarm (Daugaard-Jensen Gletscher) brauchte unser Forschungsschiff Maria S. Merian knapp 24 Stunden. Da das Wetter mitspielte, zeigte sich der Scoresby Sund von seiner besten Seite. Mit jedem Kilometer boten sich immer neue Anblicke: kleine Eisschollen, riesige Eisberge, Eisfelder inklusive Robben, zahleiche Vögel. Die Landschaft wurde dominiert von bis zu 2000 km hohen Bergen von denen sich zahlreiche Gletscher den Weg in den Fjord bahnen. Diese Gletscher und ihre eiszeitlichen Vorgänger sind für die beeindruckende Wassertiefe verantwortlich: Mit bis zu 1600 m ist der Fjord nahezu so tief wie die ihn umgebende Berglandschaft.

Wissenschaftliches Team der MSM 56
Wissenschaftliches Team der MSM 56 (Quelle: Emmerich Reize)

Nach knapp 24 Stunden war unser Ziel dann erreicht: Die Gletscherzunge des Daugaard-Jensen Gletschers am Ende des Nordarms. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto ging die wissenschaftliche Erkundung los: Beprobt wurden zahlreiche Stationen, bei denen ein umfangreiches Programm abgearbeitet wurde: Wasserproben zur Bestimmung von chemischen Parametern, Planktonnetze zur Bestimmung der biologischen Diversität und Sedimentfallen mit denen herabsinkende Partikel charakterisiert werden.

Eisprobenahme mit dem „Zodiak“
Eisprobenahme mit dem „Zodiak“  (Quelle: Elina Nystedt)

Höhepunkt des Programms war die Beprobung von Gletschereis und Schmelzwasserflüssen mit Hilfe eines kleineren Bootes („Zodiak“). Da in der Arktis jederzeit mit Eisbären zu rechnen ist, bestand das Erkundungsteam immer aus zwei Wissenschaftlern, die ausschließlich auf Bärenausschau waren. Obwohl Eisbärenspuren im Sand zu sehen waren, hatte unser Team Glück und konnte sich ungestört der Probenahme widmen. Eine Vielzahl von Proben des Gletschereises, Schmelzwassers und der ufernahen Vegetation wird wertvolle Hinweise liefern, um die biologische und chemische Diversität des Nordarms zu verstehen.

Zudem wurden zahlreiche Stationen angefahren, die 1990 zum letzten und nahezu einzigen Mal wissenschaftlich erkundet wurden. Das Forschungsschiff Polarstern führte 1990 eine geologische Erkundung durch. Die erneute Untersuchung der Wassersäule 26 Jahre später bietet nun eine faszinierende Gelegenheit, die historischen mit den aktuellen Daten zu vergleichen: Im Hinblick auf Salzgehalt des Wassers stellten wir schnell fest, dass selbst nach 26 Jahren noch nahezu identische Bedingungen herrschen. Für reichlichen Gesprächsstoff dürfte allerdings der Temperaturanstieg des Tiefenwassers um knapp + 0.5° C sorgen.

Nach einem umfangreichen wissenschaftlichen Programm ist es dann aber auch schon bald Zeit, den Nordarm des Scoresby Sund zu verlassen. Unser nächstes Ziel: Arnarfjörður (deutsch: Adlerfjord), Teil der sogenannten „Westfjorde“ Islands.

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