Jana Geuer: Bericht von einem Forschungsschiff Teil 2

Bereits länger als eine Woche sind wir nun schon unterwegs und die Zeit vergeht wie im Fluge, wobei das Zeitgefühl hier generell anders ist. Sowohl Tage der Woche als auch die Uhrzeit spielen an Bord weniger eine Rolle. Der Tagesrhythmus wird vornehmlich durch die Stationen bestimmt, die wir zur Probenahme anfahren, aber auch durch die festgelegten Essenszeiten, die verlässlicher sind als jede Uhr und uns zu regelmäßigen Pausen nötigen. Die Arbeitstage sind sehr voll und je nach Experiment wird rund um die Uhr gearbeitet. Diese Tatsache ist jedoch durch die gute Stimmung und hohe Motivation, die innerhalb der gesamten Gruppe herrscht, vernachlässigbar.

Nachdem wir Spitzbergen verlassen haben, befinden wir uns nun vor Grönland, am Rande unseres zweiten zu untersuchenden Fjordsystems, dem Scoresby Sund in Grönland. Seit Monaten wird bereits auf einen zugänglichen Fjord hin gefiebert, da bis kurz vor der Reise ein Eiskeil noch den Weg versperrte. Zu diesem Zweck wurden uns während des Transits von Spitzbergen (Svalbard) nach Grönland von daheimgebliebenen Kollegen regelmäßig Satellitenaufnahmen des Fjords und dessen derzeitiger Eisbedeckung über die hier im hohen Norden oft instabile Internetverbindung zugeschickt. Der weite Ozean, ein wenig Seegang und ein Transekt von Stationen begleiteten uns in der Zeit der Überfahrt. Zu guter Letzt kamen vor Grönland einige Eisschollen hinzu, die vom Kapitän und seinen Nautikern geschickt umschifft wurden.

Wasserprobenahme des Chemie-Teams an der CTD (v.l.n.r.: Claudia Burau, Jana Geuer, Miriam Seifert, Urban Wünsch)
Wasserprobenahme des Chemie-Teams an der CTD (v.l.n.r.: Claudia Burau, Jana Geuer, Miriam Seifert, Urban Wünsch, Quelle: E. Nystedt)

Zwischendurch nahmen wir immer wieder Proben. Wir, die wir uns mit Parametern der Wasserchemie befassen, interessieren uns für Nährstoffe, Gase und gelöstes organisches Material in den Fjordsystemen. Unsere Wasserproben werden mit der sogenannten CTD (dies steht für conductivity, temperature, density – zu Deutsch: Leitfähigkeit, Temperatur, Dichte ab) entnommen, eine Sonde, an der 24 Flaschen befestigt sind, die sich in beliebigen Wassertiefen verschließen lassen. „Piloten“ dieses Gerätes sind unsere Ozeanographen, die sich zudem damit auseinandersetzen, welche Strömungen und Wassermassen uns umgeben.

Andere Teams beschäftigen sich derweil mit den biologischen Aspekten der hiesigen Umgebung. So filmt ein Team das Herabsinken von Partikeln, an welchen sich Ruderfußkrebse laben. Mit verschiedenen Netzen wird Plankton eingesammelt und deren genotypische und phänotypische Biodiversität bestimmt, einhergehend mit der Analyse von einzeln herausgepickten Planktonzellen – eine mühsame Feinarbeit unter dem Mikroskop. Auch sind Spezialisten für die Zählung und die Charakterisierung von Bakterien an Bord. Es laufen außerdem Versuche zur Primärproduktion in diesen Gefilden. Dabei sind alle gespannt, welche Ergebnisse die Untersuchung des Fjords bringen wird.

 

Ihr habt den ersten Teil verpasst? Dann findet ihr diesen HIER!
Quelle und Urheberrecht: Hochschule Bremerhaven

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